Konsumentenpräferenzen und Status Quo Bias : eine experimentelle Untersuchung am Beispiel des Elektrizitätsmarktes

Grabicki, Johannes Fabian GND

In einem liberalisierten Elektrizitätsmarkt haben heutzutage alle Konsumenten die Chance sich für einen beliebigen Stromvertrag zu entscheiden. Ein Großteil der Bevölkerung erklärt sich in empirischen Untersuchungen zur Präferenzerfassung zu einem Wechsel vom aktuellen zu einem neuen Stromvertag, der erneuerbare Energien unterstützt, bereit. Die tatsächlichen Wechselraten bleiben jedoch trotzdem seit Jahren hinter den Erwartungen zurück. Angenommen dass Konsumenten also den Nutzen der Förderung erneuerbarer Energien verstehen und unterstützen, sollten sie nach der Theorie des rationalen Entscheidens auch diese Alternative wählen. Jedoch kann gezeigt werden, dass Konsumenten vielmehr dazu neigen am Status Quo festzuhalten, wenn ein Wechsel mit zusätzlichem Aufwand und damit Kosten verbunden ist. In bisherigen Studien zu Konsumentenpräferenzen wird ein derartiger Status Quo Bias methodisch nicht berücksichtigt. Zur Untersuchung ob im Wechselverhalten in wiederholten Entscheidungen zwischen verschiedenen Alternativen die exogene Festlegung einer Alternative als Status Quo dazu führt, dass diese signifikant häufiger gewählt wird, wurde ein Laborexperiment durchgeführt. Anhand einer modifizierten auswahlbasierten Conjointanalyse sollten Probanden Einblicke in ihre Präferenzen zwischen verschiedenen Stromverträgen geben. Während sich die Probanden in der Kontrollgruppe unvoreingenommen zwischen den Alternativen entschieden, war in der Experimentalgruppe eine Alternative als Status Quo vorausgewählt. Über die wiederholte Auswahlentscheidung wurden Teilnutzenwerte und relative Wichtigkeiten für verschiedene Attributausprägungen bestimmt. Eine dieser Attributausprägungen war dabei der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix. Die Ergebnisse demonstrieren, dass signifikante Unterschiede zwischen den Teilnutzenwerten und den relativen Wichtigkeiten der Attribute bestehen. Entgegen der Erwartung der Theorie rationalen Entscheidens beeinflusst die exogene Vorgabe eines Status Quo demnach das Entscheidungsverhalten der Individuen. Eine Interpretation dieser Ergebnisse lässt den Schluss zu, dass sich über wirtschaftspolitische Eingriffe so die Diskrepanz zwischen der Unterstützung für erneuerbare Energien in der Gesellschaft und der tatsächlichen Förderung lösen lässt. Eine Form dieses Eingriffs könnte dabei die Vorgabe sein, dass Stromanbieter ihren Basisvertrag auf einen erneuerbaren Stromvertrag umstellen und damit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass mehr Konsumenten bei diesem Vertrag bleiben. Der libertäre Paternalismus kann hierbei ein geeignetes theoretisches Konstrukt bieten, wie solche staatlichen Eingriffe unter Wahrung der Konsumentensouveränität aussehen können.

In a liberalized electricity market all consumers have the chance to opt for any electricity contract. In empirical studies so far a major part of the population agrees on the preference to switch from the current to a new electricity contract that supports renewable energies. The actual switching rates, however, have fallen short of expectations for years. So according to the rational decision theory, assuming that consumers understand and support the benefits of promoting renewable energy, they should choose this alternative. However, it can be shown that consumers tend to stay with the status quo if a change involves additional effort and thus costs. In the methodology of previous studies on consumer preferences, such a status quo bias has not been considered. A laboratory experiment was conducted to find out whether the exogenous determination of an alternative as a status quo in repeated decisions between different alternatives leads to a significantly more frequent choice. Using a modified choice-based conjoint analysis subjects should give insights into their preferences between different electricity contracts. While the subjects in the control group decided freely between the alternatives one option was pre-selected as a status quo in the experimental group. The repeated choices were used to determine part-worth utilities and relative importance for different attribute levels. One of these attributes was the share of renewable energies in the electricity mix. The results demonstrate that there are significant differences between the part-worth utilities and the relative importance of the attributes. Contrary to the assumptions of the theory of rational decision-making, the exogenous determination of a status quo thus influences the decision-making behavior of individuals. An interpretation of these results suggests that economic policy interventions could resolve the existing gap between support for renewable energy in society and actual funding. One form of intervention could be the requirement for electricity providers to switch their base utility contract to a renewable electricity contract, thereby increasing the likelihood that more consumers will remain with this contract. The idea of libertarian paternalism can provide a suitable theoretical construct as to how such governmental interventions can look like while preserving consumer sovereignty.

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Grabicki, Johannes: Konsumentenpräferenzen und Status Quo Bias : eine experimentelle Untersuchung am Beispiel des Elektrizitätsmarktes. 2019.

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