CSR-Themen in der Unternehmensberichterstattung von kommunalen Energieversorgungsunternehmen : empirische Analyse am Beispiel ausgewählter deutscher Stromanbieter

Wasmuth, Philipp GND

Die Gewährleistung der Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens basiert zum einen auf dem wirtschaftlichen Erfolg und zum anderen auf der gesellschaftlichen Legitimität der Unternehmenstätigkeit. Entsprechend der Legitimitätstheorie ist das Unternehmen zur Erhaltung der gesellschaftlichen Legitimität dazu angehalten, dass es in Kongruenz mit den Werten und Erwartungen der Gesellschaft agiert. Hierfür bedarf es eines stetigen Nachweises des mit den Werten und Erwartungen der Gesellschaft konformen Unternehmenshandelns gegenüber den als Teil der Gesellschaft anzusehenden Stakeholdern des Unternehmens. Die Unternehmensberichterstattung dient der Darlegung der Unternehmensleistung gegenüber den Stakeholdern. Der gesellschaftliche Wertewandel und die sich daraus veränderte Erwartungshaltung gegenüber den Unternehmen im Sinne einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Unternehmenstätigkeit führen zu einer stärkeren Berücksichtigung von Angaben zur „Corporate Social Responsibility“ (CSR) in der Unternehmensberichterstattung. Die Relevanz zur Aufnahme von CSR-Themen in die Unternehmensberichterstattung von kommunalen Energieversorgungsunternehmen resultiert neben dem gesellschaftlichen Wertewandel insbesondere aus der sog. Energiewende, wodurch ein Beitrag zur Umsetzung der kommunalen Energiewende erwartet wird, und aus der Schaffung wettbewerblicher Strukturen durch die Liberalisierung der Energiewirtschaft. Dadurch ergibt sich die Notwendigkeit zur Kommunikation des Mehrwerts des kommunalen Energieversorgungsunternehmens im Vergleich zu den Wettbewerbern gegenüber den Kunden und kommunalen Eigentümern. Zudem sind bestimmte kommunale Energieversorgungsunternehmen von der CSR-Berichtspflicht, die aus dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz entsteht, betroffen. Trotz der dargelegten Relevanz der Thematik geht aus dem ermittelten Forschungsstand hervor, dass wenige gezielte Untersuchungen der Unternehmensberichterstattung zu CSR-Themen von kommunalen Energieversorgungen im deutschsprachigen Raum vorliegen. Des Weiteren wird in den identifizierten Quellen des Forschungsstands bemängelt, dass ein Bedarf zur Anpassung existierender Rahmenwerke zur Unternehmensberichterstattung besteht, um den gesellschaftlichen Wertschöpfungsbeitrag und den Mehrwert von öffentlichen Unternehmen darzustellen und zu kommunizieren. Aufgrund der Relevanz der Thematik und der identifizierten Forschungslücke liegen der Arbeit vier Zielsetzungen zugrunde. Die erste Zielsetzung besteht in der Ableitung eines inhaltlichen Anforderungskatalogs, anhand dessen die Unternehmensberichterstattungspraxis untersucht wird. Der Anforderungskatalog wird unter der Berücksichtigung des formulierten Bedarfs zur Kommunikation des gesellschaftlichen Wertschöpfungsbeitrags von öffentlichen Unternehmen entwickelt. Außerdem wird dieser um die Anforderungen von bestehenden Rahmenwerken zur CSR-Berichterstattung systematisch erweitert. Aufgrund des wenig erforschten Themenfelds besteht die zweite Zielsetzung in der Ermittlung des Status quo der Berücksichtigung von CSR-Themen in der Unternehmensberichterstattung von kommunalen Energieversorgungsunternehmen in den Geschäftsjahren 2016 und 2017. Hierbei zeigt sich ein insgesamt zurückhaltendes Berichterstattungsniveau und ein unwesentlicher Rückgang der Berücksichtigung von CSR-Themen in der Unternehmensberichterstattung von 2016 zu 2017. Jedoch sind auch kommunale Energieversorgungsunternehmen zu identifizieren, die die Unternehmensberichterstattung ausweiten und somit im Geschäftsjahr 2017 umfangreichere Informationen über die Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens bereitstellen als im Vorjahr. Darüber hinaus ist im Sinne der dritten Zielsetzung die Unternehmensberichterstattung auf potenzielle Determinanten der Veröffentlichung von Informationen zu CSR-Themen untersucht worden. Die vierte Zielsetzung dient der Ableitung von Handlungsempfehlungen. So werden auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse durch die theoretischen Ausführungen der Arbeit sowie der Er-gebnisse der empirischen Untersuchung, Handlungsimplikationen für kommunale Energieversorgungsunternehmen zur Aufnahme von CSR-Themen in die Unternehmensberichterstattung formuliert. Die Ergebnisse der empirischen Analyse unterliegen Limitationen. Diese dienen zum Teil als Ansatzpunkte für weitere Forschungsvorhaben.

Ensuring the future viability of a company depends on its economic success but also on the social legitimacy of its business activities. According to legitimacy theory, a company is required to act in congruence with the values and expectations of society in order to maintain its social legitimacy. This means, a company has to prove constantly to its stakeholders who are regarded as part of society that its actions are in line with the values and expectations of society. The purpose of corporate reporting is to inform the stakeholders about the company’s performance. Due to changing social values and the resulting change in expectations with respect to companies in terms of sustainable and responsible corporate activity more attention is paid today to the information concerning corporate social responsibility (CSR) in corporate reporting. The relevance of CSR issues included in the corporate reporting of municipal energy supply companies results not only from the change in social values, but also from the so-called energy transition, which means that these energy suppliers are expected to contribute to the implementation of the energy transition on a municipal level. Another factor is the need to create competitive structures by liberalising the energy industry. Therefore, the added value of the municipal energy supply company in comparison to its competitors has to be communicated to customers and municipal owners. In addition, a reporting obligation is imposed on certain municipal energy supply companies by the CSR Directive Implementation Act. Despite the relevance of the topic as described above, the current state of research reveals there are only a few specific studies of corporate reporting on CSR issues of municipal energy supply companies in German-speaking countries. Furthermore, the identified sources of research point out the need to adapt existing corporate reporting frameworks accordingly in order to present and communicate the social value contribution and added value of public sector companies. Owing to the relevance of the topic and the identified research gap, the work is based on four objectives: The first objective is to derive a list of requirements with regards to content that will be used to examine corporate reporting practice. This list is developed under consideration of the identified needs to communicate the social value contribution of public sector enterprises. Furthermore, it is systematically expanded to include the requirements of existing CSR reporting frameworks. As there has been little research on this topic area so far, the second objective is to determine to what extent CSR issues have been considered in the corporate reporting of municipal energy supply companies for the financial years 2016 and 2017. It becomes apparent that the overall reporting level is rather restrained with an insignificant decrease of CSR issues considered in corporate reporting from 2016 to 2017. However, some municipal energy supply companies have been found to be extending their corporate reporting and thus provided more comprehensive information on the company's sustainability performance in the financial year 2017 than in the previous year. Apart from that, corporate reporting has been examined to find potential determinants of the publication of information on CSR issues, being the third objective. The fourth objective is to come up with recommendations for action. Based on the findings in the theoretical deliberations and on the results of the empirical study the implications for municipal energy supply companies to include CSR issues in their corporate reporting are thus outlined. The results of this empirical analysis are subject to limitations and may partly serve as starting points for further research projects.

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