Ermessensspielräume bei der Berichterstattung finanzieller Leistungsindikatoren im Lagebericht : Hermeneutische Auslegung im regulatorischen Kontext, empirische Untersuchung der Berichtspraxis und Erkenntnisse zur Wahrnehmung der Lageberichtsadressaten

Dickmann, Catja GND

Die prinzipienbasierte Ausgestaltung der Normen über die Lageberichterstattung finanzieller Leistungsindikatoren führt zu Ermessensspielräumen, die die Unternehmen und Adressaten vor Herausforderungen bei der Anwendung und Nutzung derselben stellt. Die grundsatzkonforme Anwendung der Vorschriften des DRS 20 insbesondere im Zusammenhang mit den finanziellen Leistungsindikatoren erscheint deshalb nicht unproblematisch. Die Dissertationsschrift untersucht daher unter Anwendung eines ganzheitlichen Forschungsansatzes das Vorhandensein und die Auswirkungen von Ermessensspielräumen bei der Berichterstattung finanzieller Leistungsindikatoren nach DRS 20 im Rahmen einer hermeneutischen Auslegung, einer systematischen Inhaltsanalyse und einer Befragung von Berichtsadressaten. Ausgehend von der hermeneutischen Auslegung werden die jeweiligen Ergebnisse einer Untersuchung in den folgenden verarbeitet. Schließlich erfolgt die Zusammenführung und Würdigung der festgestellten Ergebnisse mit dem Fokus auf möglichen Überarbeitungsbedarf der betrachteten Vorschriften. Die Zielsetzung ist 1. die systematische Identifikation von Ermessensspielräumen in den einschlägigen Vorschriften des DRS 20, 2. die Erhebung des Status Quo des Umgangs mit den identifizierten Ermessensspielräumen zur Feststellung, inwieweit die Unternehmen diese bereits einheitlich auslegen, 3. die Untersuchung des Effekts, den eine mögliche heterogene Berichterstattung auf die Wahrnehmung von Lageberichtsadressaten hat und schließlich 4. die Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Überarbeitung des DRS 20 de lege ferenda. Die wesentlichen Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit lassen sich unter den drei Themen Gegenstand der Berichterstattung, Herstellung der Nachvollziehbarkeit berichteter Maßgrößen sowie Berichterstattung über die Analyse der bedeutsamsten finanziellen Leistungsindikatoren zusammenfassen. Hinsichtlich des Gegenstands der Berichterstattung wird nach der hermeneutischen Auslegung und der empirischen Untersuchungen festgestellt, dass insbesondere die Notwendigkeit einer durchgängigen Berichterstattung von bedeutsamsten finanziellen Maßgrößen durch den Standardsetter betont werden sollte. Außerdem wird die Klarstellung der Einstellung des Standardsetters zum Verhältnis von Steuerungskennzahlen und bedeutsamsten finanziellen Leistungsindikatoren gefordert. Zur Herstellung der Nachvollziehbarkeit bedeutsamster finanzieller Leistungsindikatoren ergeben die Untersuchungsergebnisse, dass insbesondere die Konkretisierung des unbestimmten Rechtsbegriffs Offensichtlichkeit in einem DRS 20 de lege ferenda Uneinigkeiten bei der Auslegung beseitigen würde. Es werden weitere Anforderungen zur Herstellung der Nachvollziehbarkeit identifiziert, deren derzeitige Ausgestaltung noch keine eindeutige Auslegung zulässt. Dem Standardsetter wird insgesamt nahegelegt, diese an den identifizierten und aufgezeigten Stellen deutlicher zu formulieren bzw. festgestellte, dem Standard inhärente Widersprüche durch entsprechende Überarbeitungen zu eliminieren. Im letzteren Fall sollte die Möglichkeit, die Darstellung einer Berechnung einer nicht offensichtlichen Maßgröße im Anhang vorzunehmen und auf diese zu verweisen, in den DRS 20.21 aufgenommen werden. Bei der Berichterstattung über die Analyse bedeutsamster finanzieller Leistungsindikatoren weisen die Ergebnisse schließlich darauf hin, dass bestehende Vorschriften zum Teil bereits einheitlich durch die Unternehmen umgesetzt werden und die Vorschriften mithin bereits konkret genug erscheinen. Nichtsdestoweniger wird auch zu diesem Thema Handlungsbedarf identifiziert, wie insbesondere die Ergebnisse der Untersuchung der Ausgestaltung des Prognose-Ist-Vergleichs belegen. Bei einer Abweichung des Ist- vom Prognosewert nehmen die Unternehmen noch nicht einheitlich auch eine Analyse dieser Abweichung vor. Die Erkenntnisse unterliegen verschiedenen, den angewendeten Methoden inhärenten Limitationen und sind unter Beachtung derselben zu verstehen. Entsprechend wird weitergehender Forschungsbedarf identifiziert. Nicht zuletzt dienen die Ergebnisse insbesondere den Anwendern der Vorschriften des DRS 20 als best-practice Beispiele zur Berichterstattung finanzieller Leistungsindikatoren.

The principle-based design of the GAS 20 provisions on the management reporting of financial performance indicators results in the existence of areas of discretion that pose challenges to companies and addressees when applying the provisions. It therefore appears demanding to fully comply with GAS 20 and its principles, particularly when it comes to financial performance indicators. The dissertation accordingly examines the existence and effects of areas of discretion in reporting financial performance indicators in accordance with GAS 20, applying a holistic research approach. To gather the required evidence, a hermeneutic interpretation, a systematic content analysis and a survey with report addressees are conducted. Finally, the findings are summarised and assessed with a focus on the possible need for revision of the relevant regulations on reporting financial performance indicators. The pursued research objectives are 1. the systematic identification of areas of discretion in the applicable provisions of GAS 20, 2. the ascertainment of how identified areas of discretion are currently handled in practice to determine the extent to which companies already interpret it homogeneously, 3. the investigation of the effect that a possible heterogeneous reporting has on the perception of management report addressees and, finally, 4. the derivation of recommended action points with regard to a revision of GAS 20 de lege ferenda. The main results of the dissertation can be summarised under three headings, which are subject of reporting, plausibility of reported key performance indicators (KPI) and reporting on the analysis of KPI. Regarding the subject of reporting, the hermeneutical interpretation and empirical studies show that the standard setter should emphasize the need for consistent reporting of KPIs. In addition, the different wording for KPI in different parts of the GAS 20 call for clarification by the standard setter. In order to establish the plausibility of KPIs, evidence shows that the undefined legal term obviousness should be defined in a GAS 20 de lege ferenda to eliminate heterogeneity in interpretation. The dissertation identifies further requirements for the establishment of plausibility, the current design of which does not yet allow for a clear interpretation. It generally recommends that the standard setter further clarifies the identified areas of discretion in the GAS 20 and eliminates inconsistencies of the standard by means of appropriate modifications. With regard to the latter, the possibility of presenting a calculation of a non-obvious financial performance indicator in the notes and referring to it should be included in GAS 20.21. Finally, with regard to reporting on the analysis of KPI the results indicate that companies do in some respects already implement existing regulations on how to consider KPIs in the analysis of the performance and prognosis of the entity in a uniform manner. Thus, the regulations appear to be sufficiently precise. Nevertheless, a need for action is identified, as evidenced in particular by the results regarding the comparison of forecasted and actual figures. Companies do in case of a deviation of the actual value from the forecasted value not yet uniformly carry out an analysis of this deviation. The results of the dissertation are subject to various limitations inherent in the methods applied and need to be read in light of the same. Accordingly, the need for further research is identified. The results do not least serve as best practice examples for the reporting of financial performance indicators, especially for users of the GAS 20 regulations.

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Dickmann, Catja: Ermessensspielräume bei der Berichterstattung finanzieller Leistungsindikatoren im Lagebericht. Hermeneutische Auslegung im regulatorischen Kontext, empirische Untersuchung der Berichtspraxis und Erkenntnisse zur Wahrnehmung der Lageberichtsadressaten. 2020.

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